Arbeitskreise Heimischer Orchideen in Deutschland

Orchidee des Jahres 2015 - Dactylorhiza incarnata (L.) Soó

Fleischfarbenes Knabenkraut

Für das Jahr 2015 haben die Arbeitskreise Heimischer Orchideen das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata L.) zur Orchidee des Jahres gewählt, weil es in den letzten Jahren deutliche Veränderungen in dessen Lebensräumen gegeben hat, die zu einem Rückgang der Individuenanzahl geführt haben.

Markant beim Fleischfarbenen Knabenkraut sind die oftmals schon von Weitem sichtbaren, leuchtend fleischroten Blütenblätter. Die von Mitte Mai bis in den Frühsommer hinein blühende Pflanze besitzt einen steif aufgerichteten Stängel (30—60 cm). Er ist im oberen Bereich oft purpurrot überlaufen. Der Blütenstand kann während der Blüte bis zu 12 cm lang werden. Er ist mit zahlreichen kleinen Einzelblüten dicht besetzt (bis zu 60). Die gesamte Pflanze kann bis zu achtzig Zentimeter hoch sein. Die grünen Laubblätter liegen nahe am Stängel, einige können die unteren Blüten erreichen.

Die Blüten wiederum bestehen aus jeweils sechs Blütenblättern. Davon ist die Lippe schwach dreilappig, meist leicht gefaltet. Sie ist im Zentrum heller und zeigt ein feines einfaches oder doppeltes dunkelrotes Streifenmuster. Das mittlere äußere Blütenblatt ist etwas kleiner und bildet mit den paarigen inneren Blütenblättern einen Helm. Die seitlichen äußeren Blütenblätter sind nach oben geschlagen. Die Blüten sind hell bis dunkel fleischfarben, selten ganz weiß. Der Sporn ist leicht abwärts gebogen und etwas kürzer als der Fruchtknoten.

Ein anderer Name für das Fleischfarbene Knabenkrautes ist „Fleischfarbene Fingerwurz“. Dieser bezieht sich auf die unterirdisch wachsenden fingerförmigen Knollen. Sie gaben der Gattung den Namen Dactylorhiza, die sich von der Gattung Orchis mit ihren ovalen bis runden Knollen unterscheidet. Die Arten beider Gattungen werden bis heute im deutschsprachigen Raum als „Knabenkräuter“ angesprochen.

Das Fleischfarbene Knabenkraut fühlt sich in feuchten Wiesen wohl, kurzzeitige Trockenphasen werden gut vertragen. Stickstoffhaltige Düngungen hingegen werden nicht toleriert, intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen, wie Düngung, mehrfache Mahd oder intensive Beweidung führen zu massiven Rückgängen. Da die feuchten und sumpfigen Wiesen wirtschaftlich wenig rentabel sind und heutzutage Einstreu kaum noch benötigt wird, wird oftmals die Pflege Dieser Biotope vernachlässigt. Wandelt sich eine binsenbestückte Wiese in eine Strauchlandschaft, so werden Orchideen, die meistens sehr lichtliebend sind, verschwinden.

Lebensräume des Fleischfarbenen Knabenkrauts sind neben den Feucht-, Sumpf- und Binsenwiesen nährstoffarme Moore und lichte Moorwälder. In gepflegten Land-Rohrichten kann man die Art ebenfalls entdecken.

Die Kernvorkommen des Fleischfarbenen Knabenkrauts liegen heute in Süddeutschland, in den Schwäbisch-Oberbayerischen Voralpen und im voralpinen Hügel- und Moorland sowie im Nordosten Deutschlands im Naturraum Mittelbrandenburgische Platten und Niederungen sowie im Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet. In Niedersachsen, Sachsen und Thüringen ist die Art vom Aussterben bedroht. Für Bayern und Baden-Württemberg ist sie als gefährdet angegeben. Alle übrigen Flächen-Bundesländer führen sie als stark gefährdet.

Im Jahr 2015 soll das Augenmerk auf dem Schutz des Fleischfarbenen Knabenkrautes und Erhalt seiner Lebensräume liegen. Mithelfen kann jeder, der am Erhalt der natürlichen Vorkommen interessiert ist. Wichtig ist das Melden von Vorkommen an den jeweiligen Arbeitskreis des Bundeslandes. Dieser wird sich dann für die Pflege mittels geeigneter Konzepte einsetzen. Nur eine sensible Pflege kann die hochwertigen Lebensräume dieser heimischen Orchidee erhalten, die auch andere Arten und meist selten gewordene Lebewesen benötigen. Dazu gehören Entbuschungsmaßnahmen, das Sicherstellen einschüriger Mahden, das Verhindern von Trockenlegungen und das Schaffen von Pufferzonen zu intensiv bewirtschafteten Flächen.

Dactylorhiza incarnata ist eine Orchidee der feuchten und sumpfigen Wiesen sowie der nährstoffarmen Moore und lichten Moorwälder. Da den Lebensräumen dieser Orchidee immer weniger Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist das Fleischfarbene Knabenkraut in Gefahr. Die lichtliebende Orchidee mag es gar nicht, wenn durch mangelnde Pflege Büsche in den Biotopen aufkommen oder wenn Schilf- und Röhrichtsäume zu dicht werden. Eine Umwandlung in die landwirtschaftliche intensive Nutzung mit Trockenlegen der Wiesen oder gar Düngeeinträge werden ebenso wenig toleriert. Das Fleischfarbene Knabenkraut ist ein Spezialist mit hohen Anforderungen an seinen Lebensraum.

 

 Flyerdownload

joomla template 1.6
joomspirit